Inspirierend, eindrücklich, vergnüglich, so war die elfte Wandellesung im Quartier zum Thema ZEIT

Verschiedenste Betrachtungen zum Thema ZEIT brachten die Akteurinnen und Akteure der elften Wandellesung im Quartier am 7. Juli 2024 im Bürgerhaus auf die Bühne und das Publikum war begeistert.

Mit dem fröhlich, aber auch ganz leise melancholisch klingenden Susi Fox-Song vom jüdischen Komponisten Erwin Schulhoff nahm Barbara Köhler am Flügel die Zuhörerinnen und Zuhörer mit in den Abend. Das Stück erinnerte auch an die schwere Zeit Anfang der 40er Jahre und Schulhoffs letzte Lebenszeit.

Gerda Zecha beschrieb in „Wenn die Zeit zur Ewigkeit wird“, wie unendlich lange sich Zeit anfühlen kann, wenn man in Nöten ist.

Mit großer Achtung und zärtlichem Verstehen erzählte Carola Biermann von Alltagserlebnissen mit ihrer dement gewordenen Mutter.

Edeltraud Yildiz und Ekrem Emre Sögüt trugen „Achte gut auf diesen Tag“ vom islamischen Mystiker Dschalal ad-Din Rumi, der von 1207 bis 1273 lebte, auf Deutsch und auf Türkisch vor. „Denn das Gestern ist nichts als ein Traum und das Morgen nur eine Vision. Das Heute jedoch, recht gelebt, macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.“

Ursula Bauer nahm das Publikum in „Gedanken zur Mitternacht“ mit in Stationen ihres Lebens. Sie blickte in der Nacht nach ihrem Sechzigsten nachdenklich, kritisch und vor allem dankbar zurück und berührte mit dem Resümee dieser Nacht.

Begleitet an der Gitarre von Rüdiger Voerste intonierte Sabine Baumgart das seit Anfang der 1960er bekannte „Where have all the flowers gone“, das mit in diese Zeit nahm.

Nach einer köstlich verwöhnenden Pause ließen Sabine Baumgart, Gesang und Barbara Köhler am Flügel den beschwingenden Tango erklingen: „Wenn die Geranien blühen auf meinem Balkon“.

Leibhaftig spüren ließ Ursula Bauer mit „Aus einer anderen Zeit“, die unendliche Dankbarkeit der Katastrophe entronnen zu sein, weil sie damals in ihrer Schwangerschaft nicht das vom Arzt verschriebene Medikament Contergan genommen hatte, denn ihre Mutter hatte ihr einst beherzt davon abgeraten.

Mit „Die Zeit vor Gericht“ setzte sich Carola Biermann virtuos mit Blickwinkeln und Verantwortlichkeitszuschreibungen in Bezug auf die Zeit auseinander.

Mit „Wertvoller als das teuerste Geschenk“ nahm Sabine Baumgart die Zuhörer gedanklich mit zur Einlösung des Geburtstagsgeschenks einer Großmutter für ihren kleinen Enkel, der am Ende eines besonderen Tages die gemeinsame Zeit als größten Schatz empfunden hatte.

Fast wie in einem Wohnzimmer der 50er Jahre versetzt fühlte sich das amüsierte Publikum, als Rita Schuka und Gerda Zecha in den Rollen eines alten Ehepaares ihr Stück „De Guggugg in de Gugguggsuhr“ in tiefstem Hessisch zum Besten gaben, wo der nicht pünktlich aus dem Türchen hüpfenden Kuckuck zu einem heftigen Diskurs zwischen den Beiden führte.

Köstlich anzuhören war auch die bildhaft eindrückliche Beschreibung von Ursula Bauer mit „Ausgerechnet Bananen“, die ihre Eltern einst über die Beschreibung des Geschmacks von Bananen in einen Streit geraten ließ, dessen Dialoge komischer nicht sein konnten.

Durch das kurzweilige, vielschichtige Programm hatte Barbara Köhler mit informativer, nachdenklicher und immer auch wieder schalkhafter Moderation begleitet.

Alle Akteurinnen und Akteure, die diesen besonderen Abend gemeinsam gestaltet hatten, trafen sich zum Abschied auf der Bühne. Bürgermeister Steffen Bonk dankte begeistert den Interpretinnen und Interpreten, allen, die für Essen, Trinken, den Ton und die Dekoration gesorgt hatten und verteilte an alle Akteure Rosen. Großer Dank gebührt auch Bärbel Andresen vom Stadtteilbüro Soziale Stadt, die die Veranstaltungsreihe einst konzipierte und seitdem begleitet. Mit John Denvers „Leaving on a jet plane” im Ohr ging das Publikum dann auf den Heimweg.

2025 wird die nächste Wandellesung stattfinden. Wer Interesse an der Mitgestaltung hat, meldet sich gerne bei Bärbel Andresen, Stadtteilbüro Soziale Stadt, Wiesenstraße 6, 61449 Steinbach (Taunus) Telefon: 06171 2078440, E-Mail: andresen@caritas-hochtaunus.de